Vorarlberger Tage der
Neuen Autorität 2016

Workshops

Grundsätzliches zu den Workshops

Im Rahmen des Kongresses besteht für all jene, die noch wenig Erfahrung besitzen die Möglichkeit, nach dem Eröffnungsvortrag von Haim Omer eine vertiefte Einführung in die Neue Autorität von ihm zu bekommen. Dieser Workshop wird eher Vortragscharakter haben.

Die Workshops mit Angela Eberding, Michaela Fried, Peter Jakob, Martin Lemme und Hans Steinkellner sind in ihren Plätzen limitiert und richten sich an jene TeilnehmerInnen, die bereits Vorerfahrung in der Neuen Autorität und/oder aus einem der Handlungsfelder besitzen, die in den Workshops mit Fallbeispielen und Übungen praxisnah bearbeitet werden.

Der Post-Kongress-Workshop mit Lydia Hantke findet in der Woche nach dem Hauptkongress statt und kann separat oder im Gesamtpaket gebucht werden.

Workshop 1: Wachsame Sorge

Haim Omer

Wachsame Sorge ist ein wesentlicher Baustein für einen entwicklungsförderlichen Umgang von Eltern oder PädagogInnen mit ihren Kindern. Ziel ist eine aktive und respektvolle Teilhabe am Leben des Kindes.

Wachsame Sorge wird in der Umsetzung als ein abgestuftes Vorgehen verstanden, das von „offener“ über „fokussierte Aufmerksamkeit“ reicht. Dabei ist der Blick auf das Alltagsleben bis hin zu Maßnahmen, mit denen Eltern oder PädagogInnen aktive Schritte zum Schutz des Jugendlichen unternehmen, gerichtet.

Anhand einer Vielzahl aufschlussreicher Beispiele zu verschiedensten Problemkonstellationen – Umgang mit Geld, Konsum von Suchtmitteln, Internetgebrauch oder Autofahren – wird deutlich, welche Handlungsoptionen Eltern und PädagogInnen haben, um ihre eigene Position zu festigen –zum Wohle des Kindes.

Workshop 2: Menschen aus patriarchalen Systemen gewaltfrei begegnen

Angela Eberding

Wichtige Grundprinzipien der Neuen Autorität sind Gewaltfreiheit, Transparenz und die „Begegnung auf Augenhöhe“. Dies widerspricht teilweise den Hierarchien, die in patriarchalen Systemen herrschen.

Wenn nun Menschen aus solchen Systemen als KlientInnen zu uns kommen, kann dies auf beiden Seiten zu Verunsicherung führen: Wie sehr muss man den Menschen das geben, was sie gewohnt sind?

Oder ist es gerade für sie wichtig, eine beziehungsorientierte gewaltfreie, aber trotzdem klare Haltung kennenzulernen?

Workshop 3: Neue Autorität als Paradigmenwechsel in der Psychiatrie?

Michaela Fried

Wenn Kinder psychische Auffälligkeiten zeigen, stellt dies für Eltern, LehrerInnen und PädagogInnen oft eine besondere Herausforderung dar. Umso wichtiger ist es, dass sich alle Beteiligten vernetzen. Zentrale Frage dabei: Wo gibt es Unterstützung?

Transparenz und Öffentlichkeit gegenüber einem UnterstützerInnen-Netzwerk ist für viele  ungewohnt. Das kann schnell in Beschämung des Kindes kippen.

Und was bleibt zu tun, wenn es kein soziales Umfeld zu geben scheint?

Workshop 4: Gewaltfreiheit und Trauma – eine integrative Therapie und Pädagogik

Peter Jakob

Bei schweren Traumafolgen können die Methoden des gewaltfreien Widerstandes angepasst und so eingesetzt werden, dass den Betroffenen ein Gefühl der Sicherheit vermittelt wird..

Viele betreute Kinder und Jugendliche mit selbst- oder fremdschädigendem Verhalten haben bereits in früher Kindheit schwerste Entwicklungstraumata und Bindungsschwierigkeiten erfahren. In mehrfachbelasteten Familien haben sowohl Kinder als auch Eltern – oft über Generationen hinweg – Gewalterfahrungen gemacht. Die unberechenbaren Reaktionen der Betroffenen rufen bei anderen oft Unverständnis, Konsternierung und enorme Hilflosigkeit hervor.

In solchen Fällen können die Methoden des gewaltfreien Widerstandes angepasst und
auf eine Weise eingesetzt werden, dass der Familie, der Pflegefamilie oder
Wohngruppe ein Gefühl der Sicherheit vermittelt wird. So wird das soziale
Umfeld zum heilenden System für alle Betroffenen. Dieser Workshop gibt Beispiele
für einen gezielt trauma- und kindfokussierten Umgang mit den Methoden des GfW.

Workshop 5: Wachsame Sorge und sichere Orte in der Wohngruppe - Neue Autorität in der stationären Jugendhilfe

Martin Lemme

Mit der Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in einer Wohngruppe liegt die Verantwortung für die Beziehungs- und Rahmengestaltung bei den pädagogischen und therapeutischen Fachkräften.

Wir müssen den Verhaltensweisen und Umständen, welche zur Aufnahme geführt haben, außerdem dem Kind selbst und seinen Bedürfnissen mit sicherheitsgebender Beziehung, einem klaren Gegenüber und hoher Transparenz begegnen. Im Sinne der Wachsamen Sorge gilt dies von Beginn an.

Dabei werden entsprechende Kooperationsrahmen für die betroffenen Kinder und deren Eltern sowie eine aktive Netzwerkarbeit mit den beteiligten Systemen umgesetzt. Anhand der Haltungs- und Handlungsaspekte der Neuen Autorität sowie des entsprechenden Handlungsleitfadens wird die Vorgehensweise an konkreten Fallbeispielen erläutert.

Workshop 6: Neue Autorität in der Schule - Fokus Elternarbeit

Claudia Seefeldt und Doris Brodmann

Wenn es schwierig wird, wenn Kinder uns herausfordern, dann können wir den Blick nicht nur auf das Kind lenken. Auch die Erwachsenen im Einflussbereich dieser Kinder müssen in den Fokus: PädagogInnen, Eltern und andere potenzielle BündnispartnerInnen.

Können wir überhaupt Kooperationen und Bündnisse herstellen, wenn Eltern sich nicht an Vereinbarungen halten, Versprechungen abgeben und diese über Bord werfen, weil sie „zu schwach“ sind, immer wieder „umfallen“ oder psychisch sehr instabil sind.

Ja! Denn es gibt keine Alternative zu Bündnissen. Die Probleme werden in der Regel größer, wenn uns Erwachsenen die Zusammenarbeit nicht gelingt.

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Wir Profis in der Pädagogik brauchen konstruktive und hilfreiche Ideen, die uns auch in diesen schwierigen Konstellationen zuversichtlich machen.

In diesem Workshop geht es um eine positive und v.a. stärkende Gestaltung der Kooperation mit Eltern und dem sozialen Umfeld, z.B. Schule, von Kindern.

Post-Kongress-Workshop: Tage der Traumapädagogik

Lydia Hantke und Hans-Joachim Görges

Viele Kinder und Jugendlichen, mit denen wir arbeiten, hatten keine guten Startbedingungen für eine kindgerechte Entwicklung. Deshalb sind sie nun in der Kronhalde. Das Ziel: Bindung und Präsenz, haltende Strukturen, eine neue respektierende Autorität und wachsame Sorge.

Zu beachten dabei: Vernachlässigung oder Misshandlungen haben Auswirkungen auf die Entwicklung. Das bedeutet, traumasensibel zu arbeiten und besondere Bedürfnisse nach Sicherheit, Verlässlichkeit, Struktur und Teilhabe wahrzunehmen und zu beantworten. Das heißt weiter, Gewordenheiten gemeinsam zu verstehen und Eigenverantwortung da aufzubauen und zu stärken, wo es möglich ist.

Es heißt aber auch zu erkennen, wo die Grundlagen für Verantwortungsübernahme noch gar nicht gegeben sind. Familien und Gruppen sind oft schwer belastet, wenn diese Verhaltensweisen die Einhaltung von gemeinsam vereinbarten Vorgehensweisen unterlaufen und immer wieder neu angepasste Reaktionen verlangen.